Wer im Ostteil des schönen Berlins wohnt, kennt sie sicherlich. Knallgelb, klingelnd gehört sie zu den Top-Feinden des ambitionierten Radfahrers. Die Rede ist von der Straßenbahn. Am Alex schön anzusehen aber auch schnell übersehen.
Im Wohnbatterieteil der Stadt kommt sie meistens im formschönen Kiesgleisbett daher. Es gibt Sie in Hoch und Niederflurausführungen, ein und zweiseitig betürt.
Im Wesentlichen geht es mir um die Menschen die sich in ihr fortbewegen. Kleine Menschen, große Menschen, dünne, dicke, hübsche, aber auch weniger hübsche. Die Beobachtung jener lässt einen gelegentlich schmunzeln, nachdenklich werden oder verzweifelt über die Verkommenheit der heutigen Gesellschaft mit sich selbst philosophieren.
Besonders in letzter Zeit musste ich mich öfters in jenes Gleisfahrzeug zwängen. Da sieht man Pärchen die heimlich, still und leise ihre Flachmänner tauschen und verschämt beim Schlückchen nehmen unauffällig aus dem Fenster schauen. Junge Kids die mit Rollern durch den Zug rollen. Die Wahrscheinlichkeit, dass schreiende Kleinkinder auftauchen, steigt exponentiell mit der Stärke von hartnäckigen Kopfschmerzen und großen, ausgewachsenen, männlichen Katzen, die sich in meinem Körper tummeln. Nicht zu vergessen sind auch jene Zeitgenossen, die meinen, man müsste sich unbedingt ihre Musik anhören. Man sieht zwar einen sozialen Ansatz, der aber in 99% aller Fälle schlecht realisiert ist. Bekommt man doch zum größten Teil pampig pöbelige Antworten sobald man beginnt, die gespielten Stücke und die Präsentation jener, berechtigt zu kritisieren.
Aber es gibt auch schöne Momente. Das mitlesen in fremden Zeitungen fällt durch die Zwangsenge doch recht leicht. Und manchmal, kann man ja fragen, ob sie nicht eben mal zurückblättern können. Sollte die gefragte Person dann auch noch einen guten Tag haben, bekommt man vielleicht einen Teil von dem Lesewerk ab. Schließlich sitzt man ja im selben Boot und sollte Solidarität praktisch demonstrieren. Bei nächster Gelegenheit werde ich mal versuchen, eine Diskussion über einen Artikel anzustimmen. Mit Büchern in der Untergrundbahn lief das bis jetzt immer ganz gut.
Ich jedenfalls fahr eh lieber U-Bahn.